Was ist der Versicherungsfachmann?

Um im Versicherungsvertrieb arbeiten zu können, braucht es u.a. eine IHK-Sachkundeprüfung gemäß § 34d GewO. Diese hieß früher Versicherungsfachmann (IHK) oder davor Versicherungsfachmann bwv.

Seit Ende 2018 wurde die Prüfung umbenannt in Fachfrau / Fachmann für Versicherungsvermittlung (IHK). Dieser Name hat sich aber in der Branche nicht durchgesetzt, so dass weiterhin vom Versicherungsfachmann (IHK) gesprochen wird.

Wie werde ich Versicherungsfachmann?

Um Versicherungsfachmann IHK zu werden muss man sich zur IHK-Sachkundeprüfung bei seiner lokalen IHK anmelden. Das kann jeder ohne Vorbedingungen machen. Auch das Belegen eines Vorbereitungskurses ist nicht vorgeschrieben.

Zum Lehrgang "Versicherungsfachmann/-frau"

Wie läuft die Sachkundeprüfung zum Versicherungsvermittler bzw. Versicherungsfachmann ab?

Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und praktischen Teil.

Schriftlicher Teil

Der schriftliche Prüfungsteil beinhaltet praxisbezogene Aufgaben, um zu belegen, dass der Prüfling die versicherungsfachlichen und rechtlichen Kenntnisse erworben hat und anwenden kann. Die Prüfung besteht aus fünf Sachgebieten, die auf zwei Prüfungsteile aufgeteilt sind (§ 2 Absatz 1 Nr. 1 VersVermV).

Teil 1 (90 Minuten)

  • Rechtliche Grundlagen für die Versicherungsvermittlung und die Versicherungsberatung
  • Sozialversicherungsrechtliche Rahmenbedingungen, insbesondere
    • Gesetzliche Rentenversicherung
    • Private Vorsorge durch Lebens-, Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherung
    • Grundzüge der betrieblichen Altersversorgung
    • Staatliche Förderung und steuerliche Behandlung der privaten Vorsorge und der durch
    • Entgeltumwandlung finanzierten betrieblichen Altersversorgung
  • Unfallversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung

Teil 2 (70 Minuten)

  • Verbundene Hausrat- und verbundene Gebäudeversicherung
  • Haftpflicht-, Kraftfahrt-, Rechtsschutzversicherung

Die schriftliche Prüfung des Sachkunde-Examens besteht aus geschlossenen Aufgaben (Multiple Choice), die am PC beantwortet werden. 

Die schriftliche Prüfung dauert 160 Minuten und wird in der Regel an einem PC in der IHK durchgeführt.

mündlicher Teil

Um am praktischen Prüfungsteil teilzunehmen, muss man den schriftlichen Prüfungsteil bestanden haben und sich innerhalb von zwei Jahren nach dem Bestehen des schriftlichen Prüfungsteils zur praktischen Prüfung anmelden und diese ablegen. Die praktische Prüfung kann innerhalb dieser zwei Jahre so oft wie gewünscht wiederholt werden.

Die praktische Prüfung dauert etwa 20 Minuten und findet normalerweise am Tag nach der schriftlichen Prüfung statt. Der praktische Teil simuliert ein Kundenberatungsgespräch durch ein Rollenspiel. Nach einer Vorbereitungszeit berät man einen Privatkunden, gespielt von einem Prüfer, in einem 20-minütigen Gespräch. Ziel des Gesprächs ist es, eine kundenorientierte Lösung zu entwickeln und anzubieten.

Der praktische Prüfungsteil bezieht sich auf die Kundenberatung gemäß § 2 Absatz 1 Nummer 2 der Versicherungsvermittlungsverordnung (VersVermV) und wird als Simulation eines Kundenberatungsgesprächs durchgeführt. Der Prüfling muss beweisen, dass er die Fähigkeit besitzt, kundenorientierte Lösungen zu entwickeln und anzubieten. Dabei kann der Prüfling zwischen den Sachgebieten wählen:

  1. Vorsorge mit den Teilsachgebieten Lebensversicherung, private Rentenversicherung, Unfallversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung, Krankenversicherung und Pflegeversicherung oder
  2. Sach- und Vermögensversicherung mit den Teilsachgebieten Haftpflichtversicherung, Kraftfahrtversicherung, Hausratversicherung, Gebäudeversicherung und Rechtsschutzversicherung.

Das praktische Prüfungsgespräch basiert auf einer vorgegebenen Fallstudie (PDF).

Der praktische Teil der Prüfung entfällt, wenn der Prüfungsteilnehmer
  1. eine Erlaubnis nach § 34f Absatz 1 Satz 1, § 34h Absatz 1 Satz 1 oder § 34i Absatz 1 Satz 1 der Gewerbeordnung hat, oder
  2. einen Sachkundenachweis erlangt hat nach
    a) § 34f Absatz 2 Nummer 4 der Gewerbeordnung (Finanzanlagenvermittler),
    b) § 34h Absatz 1 Satz 4 (Honorarfinanzanlagenberater) in Verbindung mit § 34f Absatz 2 Nummer 4 (Finanzanlagenvermittler) der Gewerbeordnung oder
    c) § 34i Absatz 2 Nummer 4 (Immobiliardarlehensvermittler).

Wie lange dauert die Ausbildung?

Die Ausbildung, also die Vorbereitung auf die IHK-Sachkundeprüfung, dauert je nach Lehrgangsmodell zwischen 3 und 6 Monaten.

Wie viel verdient man als Versicherungsfachmann?

Der durchschnittliche Gewinn von unabhängigen VersicherungsvermittlerInnen betrug laut AfW-Vermittlerbarometer 59.850€ bei einem durchschnittlichen Jahresumsatz von 120.000€ (Stand 11/2020). Bei diesen Werten ist zu berücksichtigen, dass die 1.350 TeilnehmerInnen bereits Berufserfahrung vorweisen können.

Grafik aus dem AfW-Vermittlerbarometer 2020 zum Gehalt von VersicherungsvermittlernQuelle: 13. AfW-Vermittlerbarometer, November 2020

Ist der Versicherungsfachmann ein Ausbildungsberuf?

Nein. Eine kaufmännische Ausbildung erwerben alle, die die 3-jährige Ausbildung zum anerkannten Ausbildungsberuf Kaufmann für Versicherungen und Finanzen IHK absolvieren (früher: Versicherungskaufmann IHK). Dabei können die Auszubildenden zwischen zwei Ausbildungsschwerpunkten wählen: Schwerpunkt Versicherung oder Schwerpunkt Finanzen.

Der Versicherungsfachmann ist eine IHK-Sachkundeprüfung, die gemäß § 34d GewO für den Versicherungsvertrieb erforderlich ist.